ETH Life

Mittwoch, 20. September 2006
Gabrielle Attinger

Die ETH-Spinoff-Firma CovalX feiert erste kommerzielle Erfolge
Vom Networking bis zur Kartonage

Die CovalX GmbH aus dem Laboratorium für Organische Chemie kommt schnell voran. Bereits sechs Monate nach ihrer Gründung wurde sie als eines der 100 zukunftsträchtigsten Privatunternehmen Europas ausgezeichnet. Ende Jahr bezieht die Firma eigene Geschäftsräume. Doch die beiden Geschäftspartner Alexis Nazabal und Ryan Wenzel stehen manchmal auch ganz unerwarteten Problemen gegenüber.

 

Noch hängt die Auszeichnung am Anschlagsbrett in einem der langen Korridore des HCI-Gebäudes auf dem Hönggerberg: eine edle Messingtafel auf dunkelrotem Grund und eine grossformatige, gerahmte Urkunde, die CovalX den Titel einer der 100 besten Privatunternehmen Europas im Bereich von Zukunftstechnologien vom Jahr 2006 verleiht. Die Auszeichnung erhielt die Spin-Off-Firma der beiden Postdocs Alexis Nazabal und Ryan Wenzel vom US-amerikanischen Investoren-Magazin Red Herring (siehe Box), das jährlich die weltweit vielversprechendsten Privatfirmen im Technologiebereich kürt. Das war im Mai 2006 – nur ein halbes Jahr nach der Firmengründung im November 2005.

Bald schon werden die beiden Schilder einen Ehrenplatz im Technopark erhalten. Ende Jahr verlassen Alexis Nazabal und sein Geschäftspartner Ryan Wenzel das Institut von Professor Renato Zenobi und beziehen eigene Geschäftsräume, die sie als ETH-Spinoff zu Sonderkonditionen mieten können. 60 Quadratmeter Platz haben die beiden bislang reserviert, doch sie wissen: Wenn alles nach Plan läuft, werden sie in einem Jahr mit rund 12 Mitarbeitern ein Mehrfaches brauchen. „Das Potential, so schnell zu wachsen, haben wir“, erklärt Ryan Wenzel, „daher wurden wir ja auch ausgezeichnet.“ Wie schnell sie tatsächlich wachsen werden, hänge aber von der Grösse der Investitionen ab.

Die ideale Verbindung

Investiert werden soll in eine neue Technologie, die die Postdocs am Laboratorium für Organische Chemie entwickelt haben. Sie erlaubt es, Proteine schneller und einfacher zu analysieren, als dies bislang möglich war. Die Methode nutzt die Massenspektrometrie und benötigt einen speziellen Massendetektor sowie die dazu gehörende Software und chemische Hilfsmittel. Diese verschiedenen Komponenten haben die beiden Wissenschaftler zusammengebracht. „Ich habe mich mit dem Massendetektor beschäftigt“, erzählt Ryan Wenzel, „und Alexis Nazabal mit Chemikalien.“ Eines Tages fragte Nazabal seinen Kollegen, ob er die Maschine mit seinen Chemikalien testen könne. Das Ergebnis war eine neue Analysemethode, die die Arbeiten von Wenzel und Nazabal in idealer Weise verbindet. Der Massendetektor kann an einen bestehenden Massenspektrometer angebaut werden. Das chemische Analyse-Kit ist vergleichsweise einfach zusammenzustellen.

Arbeit für Bastler

Und doch standen die beiden jungen Wissenschafter vor ungeahnten Problemen, als sie sich im Februar daran machten, ihre Entwicklung kommerziell aufzubereiten. „Ich habe sechs Monate gebraucht, um die chemische Lösung zu finden – und zwei Monate, um eine Kartonverpackung dazu zu bekommen“, erzählt Alexis Nazabal. Der Mann ist zwar ein offensichtlich begnadeter Chemiker, aber von der Verpackungsindustrie hatte er bislang keine Ahnung. Ähnlich erging es seinem Kollegen Ryan Wenzel. Seine neu entwickelte Maschine besteht aus mehreren hundert Einzelteilen, die von Dutzenden von verschiedenen Firmen gefertigt und geliefert werden. Um diese Teile zusammen zu bekommen, musste sich Wenzel im Schnelllauf vom Laien in der Maschinenindustrie zum gewieften technischen Einkäufer bilden.

Dies waren bei weitem nicht die einzigen Hürden, die die beiden Postdocs bei der Gründung ihres Spin-Offs begegneten. Auch die Suche nach Investoren war für die beiden ausländischen und fremdsprachigen Jungunternehmer schwierig. Zum Glück konnten sie vom Netzwerk ihres Professors profitieren. Renato Zenobi machte die beiden nicht nur mit wichtigen Leuten bekannt. Er übernahm auch die Rolle des Beraters im Unternehmen und wird noch während mindestens dreier Jahre an laufenden Projekten mitarbeiten. Mitglied der Firma wollte Renato Zenobi aber nicht werden.

Lieber in der Schweiz als in den USA

Die Gute Beziehung zum Professor ist nach Meinung der beiden Jungunternehmer das A und O eines gelungenen Technologietransfers. Generell sei es aber in der Schweiz viel schwieriger, eine Spinoff-Firma zu gründen als etwa in den USA, weiss der Amerikaner Wenzel. Denn die Gesetze sind viel rigider als anderswo. „In den USA kannst du mit 300 Dollar eine Firma gründen, in der Schweiz kostet allein die Registrierung 2500 Franken, und du musst 100'000 Franken Startkapital vorweisen.“ Entsprechend häufiger sind Firmengründungen an den Hochschulen: Es sind jährlich Hunderte.

Doch gerade deshalb sind die beiden froh, in der Schweiz zu sein. „Die Konkurrenz ist enorm in den USA“, schildert Wenzel, „und das Netzwerk nimmt eine unter 200 ähnlichen Firmen gar nicht wahr.“ Hier dagegen errege CovalX als „something special“ Aufmerksamkeit. „Special“ ist bislang aber auch ihr kommerzieller Erfolg: Bereits sind drei CovalX-Apparate verkauft worden, eine in der Schweiz, eine nach Frankreich und eine nach Japan. Der Businessplan sieht vor, bis Ende 2007 deren fünf zu verkaufen. „ Dem sind schon wir schon recht nah“, erklärt Alexis Nazabal. Für zwei weitere Apparate bestehen nämlich schon Optionen.

Europe’s Best von Red Herring

Das amerikanische Investoren-Magazin wählt jährlich weltweit die vielversprechendsten Privatfirmen im Technologie-Bereich, die grosses Wachstumspotential haben und für Investoren deshalb besonders interessant sind. Bewertet werden die Technologie, das Management, die Finanzierung und die Konkurrenzfähigkeit. Um die 100 europäischen Top-Firmen zu ernennen, wurden 2006 über 700 Unternehmen durchleuchtet. ColaX ist eines der kleinsten und vor allem jüngsten Unternehmen, die gekürt wurden. Unter den Gewinnern sind auch Firmen, die bereits 1989 gegründet wurden und solche, die 200 Mitarbeiter und mehr haben. Im Durchschnitt sind die Ausgezeichneten sechs Jahre alt und haben 25 Mitarbeiter.